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Horst und ich übernahmen die Abteilung Hühner und sonstiges Federvieh. Hannes brachte Horst und mir bei, wie man Hühner tötet,
ohne dass eine riesige Blutsauerei entstand oder das Huhn ohne Kopf herumflatterte. Nicht ganz verhindern konnten wir das jämmerliche Gegacker der Hühner bevor das Beil dem Geschrei ein abruptes Ende bereitete. Das Geschrei der Hühner vertrieb aber meine Mutter und die sensiblen Tanten und so konnten wir zusammen mit Hannes ziemlich ungestört unsere Arbeit vollbringen. Es war keine schöne Arbeit, aber sie machte die Herren Offiziere, uns und den ganzen Poppschen Clan und einige hungrige Nachbarn und Freunde satt. Hannes Rapedius kochte die Hühnerknochen so heftig, dass man sie wie Knabberstäbchen aufessen konnte. Besonders Marlene war ganz scharf auf die Hühnerknochen; von einem ganzen Teller Knochen blieben nur ganz wenige Reste übrig.
Rund zwanzig Hühner für rund zwanzig Offiziere waren ein ungeheurer Luxus. Manche Offiziere aßen nur das Brüstchen, andere nagten an den Schenkeln, aber keiner von ihnen schaffte ein ganzes Huhn und so gewannen wir aus den Speiseresten hervorragendes Ausgangsmaterial für wohlschmeckende Speisen nebst einer fetten Brühe.
Auf dem großen Herd in der Küche stand immer ein riesiger Kochtopf, in den Herr Rapedius alles hineinwarf, was aus dem Kasino zurückkam. Nach einer entsprechenden Garzeit wurde der Inhalt des Topfes in ansprechende Speisen umgewandelt und den Herrn Offizieren mit einem fantasievollen Namen erneut vorgesetzt. Herr Rapedius und Hehe als die Generalmanagerin arbeiteten dabei so gut zusammen, dass auch für das Küchenpersonal und die Servierkräfte und die sonstigen Hilfskräfte, sowie deren Familien noch etwas übrigblieb. |
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Bald gewannen auch Horst und ich die Aufmerksamkeit von Hannes Rapedius, weil wir zwei bahnbrechende Vorschläge machten:
Die Hühner hatten in ihrem Bauch meist noch ein ungelegtes Ei,
sowie einige mehr oder weniger große Dotter. Diesen Schatz wollten
wir
heben und durch Veredlung zu irgendetwas Wertvolles
verwandeln. Hannes war begeistert und experimentierte mit Zustimmung und
Leinöl von Tante Hehe an einer echten, wohlschmeckenden
Mayonnaise. Schon der erste Versuch gelang und brachte uns ein
hohes Lob der Offiziere ein. Die Mayonnaise half uns auch, die Herrn Offiziere schneller zu sättigen, und damit von anderen essbaren Delikatessen abzulenken.Der zweite Vorschlag war noch gewinnbringender. Horst und ich schlugen den Hühnern den Hals dicht am Rumpf ab. So bekam man lange Hälse mit einem vollständigen Hühnerkopf mit Augen, Kamm und Zunge.
Davon ließ sich eine Brühe herstellen, die man nur noch mit den Resten vom Tisch der Offiziere ein wenig andicken oder verlängern brauchte. Auch Kartoffelschalen und Rübenwürfel halfen, die Brühe zu verbessern.
Es störte niemand, dass die Hühnerköpfe und die kralligen Beine
traurig aus der Brühe herausschauten. Später haben wir auch noch die Hühnerbeinemit den Krallen in
unsere Produktion einbezogen. Opa
war auch begeistert von dieser Brühe, weil sie nahrhaft und gesund war und weil sie die eigenen
Hühner auf dem Bergfried schonte. Er schlug vor, dass wir den unverhofften Reichtum mit ein paar Leuten teilen sollten, die er sehr schätze und die er vor dem Hungertot bewahren wolle.
Wir verstanden Opas Vorschlag nicht als eine Bitte, sondern als klaren Auftrag.Zweimal in der Woche haben Horst und ich etwa 20 Hühner für die Offiziere geschlachtet und an den anderen Tagen haben wir vielen
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