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Bürgern in Bernkastel und in Kues unsere Hühnerbrühe im Henkelmann nach Hause gebracht. Mit Duldung unserer Herrn Offiziere durften Horst und ich sogar über die amerikanische Pontonbrücke die Mosel überqueren. Das war ein Lohn, für den uns alle Jungen im Städtchen beneideten.
Mein Schwesterlein durfte oft mit uns gehen und weil sie lieb war und noch lieber schauen konnte, bekamen wir von den hungernden Leuten
oft kleine Geschenke. Marlene hatte bald mehrere Kniestrümpfe und Ohrenmützen, Fausthandschuhe und bunte Schals. Sie bedankte sich
mit einem höflichen „Knicks“ bei den Leuten und hielt ihre Wange zu einem Küsschen hin. So viel kindlicher Charme überrannte manchen Hungerleider so sehr, dass er seinen Hunger vergaß und noch einmal
in die Schublade griff, wo er noch ganz wenige Stücke Würfelzucker verborgen hatte. Marlenchen erkannte sehr schnell die entwaffnende Macht ihres Auftrittes und verfeinert sie immer mehr. Wenn wir an einer Haustür standen, stand Marlene immer vorne und begrüßte die Leute
mit ihrem Lachen, nannte sie beim richtigen Namen und putze sich
auffallend sorgfältig ihre Schuhe ab. Wenn Horst und ich auf zum Verteilen der Suppen aufbrachen, mussten wir die Kleine allerdings zuerst einer gewissen Reinigung unterziehen, weil Marlenchen immer noch vorwiegend in Schmuddelecken mit nassen und klebrigen Dingen
spielte.
Horst und ich bekamen von dem halbverhungerten Herrn Drusis aus Kues eine kleine Briefmarkensammlung und Teile aus einem Stabilbaukasten. Großzügig überließ Horst mir diese Dinge, weil er sich nicht für einen solchen Fummel-Kram interessierte. Die Sammlung
wurde mit den kompletten Briefmarkensätzen der Französischen Kolonien vereinigt, die mir mein Vater aus Frankreich geschickt hatte. |
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Das hätte ich besser nicht getan: Der französische Offizier,
Monsieur Lefebre, dem ich aus Angeberei meine schöne Briefmarken-sammlung zeigte, hat mir ganz freundlich über den Kopf gestrichen und die ganze Sammlung einfach in seine Aktentasche gesteckt und ist
damit verschwunden.
Krieg ist Krieg!
Das Jahr 1945 ging zur Neige und Mitte Dezember befahlen die Franzosen, eine echte deutsche Weihnachtsfeier mit Christbaum,
Kugeln und kunstvollem Gesang zu veranstalten.
Der Befehl lautete:
Das Diner beginnt am Montag, den 24. Dezember 1945 um 18 Uhr,
genau, und wird mit dem Gesang der Offiziere eröffnet. Nach dem Gesang dürfen deutsche Menschen das Kasino betreten und mit ihrer Darbietung beginnen. Die Speisefolge wird Lieutenant Louis Laurent
mit dem Küchenpersonal besprechen.
Danach erschien Lieutenant Laurent immer häufiger in der Küche
und es wurde sofort klar, dass sein Interesse ausschließlich meiner schönen Tante Hehe und ihrer
noch schöneren Freundin,
der Försterchristel, galt. Im Gegensatz zur rothaarigen und hellhäutigen
Hehe war die Försterchristel eine dunkelhäutige Frau mit schwarzen Augen und schwarzen Haaren, welche sie als Zopf um den Kopf geflochten hatte. Herr Förster befand sich, wie Onkel Peter, irgendwo
in Kriegsgefangenschaft oder in einem schlichten Heldengrab und so mussten die beiden Ehemänner wenigstens nicht mit ansehen, wie ihre
Frauen die deutsch-französische Völkerverständigung vorantrieben. Mutter Maria durfte an diesen Spielchen nicht teilnehmen und sah deshalb sehr aufmerksam, aber auch ein wenig neidisch dem Treiben
in der Küche des Offizierskasinos zu. Hehe und die Försterchristel |
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