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umgarnten den Herrn Lieutenant mit allen Mitteln, die einer zur Enthaltsamkeit gezwungenen Soldatenfrau zur Verfügung stehen.
„ Wollen der Herr Lieutenant bitte einmal unsere Bouillon kosten“?
„ Prüfen Sie doch bitte mal, ob der Wein wohltemperiert ist“.
„ Herr Lieutenant, darf ich den Soßenfleck von ihrer Uniform wischen“ ?
Die beiden Frauen brachten den Herrn Lieutenant sogar so weit, dass er mit dieser oder jener Schönheit in den Keller ging und das Gemüse-körbchen trug. Damit der Herr Lieutenant den Küchenbetrieb nicht störte, wurde er an die engste Stelle zwischen Tischen und Herd postiert, so dass sich die beiden Damen nur mit Mühe an ihm vorbeidrücken konnten. Bei diesen Spielchen sangen die beiden Damen oft deutsche oder sogar französische Volkslieder. Unsere Försterchristel hatte von Musiktheorie nicht die geringste Ahnung, aber sie konnte zu jeder Melodie eine zweite Stimme hinzufügen. Die zweite Stimme erklang in einem sinnlichen, rauchigen und tiefen Alt und machte jede Darbietung
zu einem Genuss und zu einer oft tränenreichen Seelenmassage.
Ein gewöhnliches Küchenlied wurde zu einem Kunstwerk.
Lieutenant Laurent schlug deshalb in heller Begeisterung vor, noch
einen Klavierspieler und einen Geiger ausfindig zu machen, damit der konzertante Teil der „deutschen Weihnacht“ ein voller Genuss werde. Arno, der Virtuose und Vortragskünstler, war sofort bereit für ein reichliches Abendessen und ein paar Gläser Wein, den Klavierpart zu übernehmen und ein eigenes Arrangement der frommen Lieder zu schreiben. Zu meinem Erstaunen meldete sich meine Mutter und bot an, mit ihrer Geige die Begleitung zu spielen. Maria hatte während ihrer Erziehung bei den Nonnen in Boppard unter vielen nützlichen Dingen auch das Geigenspiel gelernt. Auch die Geige wurde auf Opas Speicher gefunden.
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Dann begannen die Proben, die selbstverständlich vom Lieutenant geleitet wurden, obwohl er weder Noten lesen konnte, noch die Texte verstand.
Tante Nana weigerte sich, an dem Konzert mitzuwirken, stellte
aber in Aussicht, dass sie die "Jungfräuliche Geburt des Herrn" als
Ausdruckstanz gerne vorführen würde, wenn sie dies im Stile der Königstochter Salome tun dürfe.
Am 24. Dezember brodelten in der Küche viele Töpfe und Pfannen
und Hannes hatte eine riesige Schüssel Fleischpastete gezaubert.
Die Herren Offiziere kamen sehr rechtzeitig und begannen schon
einmal, mit Rotwein und Gitanes ihre Stimmung anzuheizen. Der Lieutenant Laurent hatte in großer Vorfreude auf das erwartete Lob seines Vorgesetzten schon ein paar Gläser Rotwein getrunken und
ließ in der Küche noch einmal richtig die Puppen tanzen. Hehe und
die Försterchristel feuerten den Herrn Lieutenant zu immer frecheren Attacken an. Als sich der Balztanz der beiden Küchenfeen mit dem
Herrn Offizier, in voller Uniform und mit dem Barrett der französischen Chasseurs geschmückt, seinem Höhepunkt näherte und der Herr Lieutenant an der besagten Engstelle in der Küche der lieben Hehe
sehr nahe kam, ergriff Hehe das Barett und warf es der Försterchristel
in hohem Bogen zu. Der Herr Lieutenant ließ Hehe los und spurtete in Richtung Försterchristel, die die Kopfbedeckung der siegreichen französischen Armee sofort wieder zurückwarf. Eine unserer Küchenhilfen sah, dass die Wurfparabel der Försterchristel nicht exakt berechnet war. Um zu verhindern, dass die edle Kopfbedeckung in der Pfanne mit brodelndem Gulasch landete, zog sie die Pfanne ein wenig zur Seite. Unter der Pfanne waren keine Ofenringe und die Höllenglut verschlang das Barett und unter Knistern und Zischen löste es sich innerhalb von Sekunden in Rauch auf.
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