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Innerhalb dieser kurzen Sekunden verwandelte sich der französische Liebhaber in einen tobenden Kriegshelden.
Er zog seine Pistole und unter entsetzlichem Gebrüll fuchtelte er den Küchenfeen vor der Nase herum. Als Krönung seines dramatischen Auftritts schoss er drei Kugeln in die Decke unserer Küche. Dann erschienen auch die etwas mutigeren Herren aus dem Kasino. Die
einen hatten ihr Weinglas in der Hand, andere ihre Pistole und einige hielten vor Schreck ihre Hand vor den Mund. Der Herr Colonel Jannic Kerbenez aus der Bretagne verschaffte sich mit einer Handbewegung Ruhe und nachdem er die schändliche Geschichte der beiden Frauen erfahren hatte, verkündete er:
Die ganze schändliche Geschichte bedarf einer Sühne, aber da es
sich um eine personelle Affäre handele und nicht um eine offene Kriegserklärung, müsse man sich jetzt um die Art und die Schwere der Sühne beraten. Das taten die Herren Offiziere sofort und bald tönte aus dem Kasino frohes Gelächter und Gläserklirren. Nach dem großen Schreck in der Küche, warteten Hehe, die Försterchristel, Arno und meine Mutter mit ihrer Geige beruhigt auf ihren Weihnachtsauftritt im Kasino. Nach ein paar salbungsvollen Worten des Colonels erklang endlich der schauerliche Gesang der Offiziere und das Klappern der Essbestecke und die Künstler marschierten in das Kasino ein.
Colonel Kerbenez bat alle Damen und Herren unseres Personals und uns Kinder
in das Kasino und verkündete den Schuldspruch für die
beiden Sünderinnen:
Erstens:
Die Deutsche Weihnacht wird auf ein einziges Lied reduziert.
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Zweitens: Das Lied wird so oft von den Sängerinnen wiederholt,
bis er die
Champagnerpolonaise beendet.
Drittens: Die beiden Sünderinnen dürfen das Lied selbst auswählen.
Viertens: Die beiden Sünderinnen stehen in der Mitte des Raumes !
Hehe und die Försterchristel waren sich sehr schnell einig, dass
„Stille Nacht, Heilige Nacht“ den Rachegeist der Herren Offiziere wahrscheinlich am besten besänftigen könne. Arno und Mutter Maria einigten sich auf B-Dur und die beiden Sängerinnen traten unter dem frohen Knallen der Champagnerkorken in die Mitte des Raums.
Arno hatte auf seinem Klavier eine
Flasche Wein stehen, aus der er
sich ganz selbstverständlich einen gewaltigen Schluck gönnte.
Die Damen begannen ganz zart zu singen, Arno umspielte mit seiner rechten Hand das Thema mit feinen Triolen. In der linken Hand
hielt er die Flasche. Maria strich ihre Fiedel ziemlich kühl und mit
großer Präzision.
Bei den ersten Tönen erhob sich der Offizier rechts neben dem
Colonel und schritt mit seinem Champagnerkelch auf die
Sängerinnen zu.Kurz vor ihnen blieb er stehen, und mit grimmigem Lachen goss er den Champagner über den Kopf meiner Tante. Hehe sang weiter, musste aber fürchterlich husten, weil sie den Champagner in den Hals bekommen hatte. Der Hustenanfall wurde von den Herren Offizieren mit leisem Beifall begleitet.
Der Offizier ging langsamen Schrittes auf seinen Platz zurück
und der nächste Offizier begab sich mit seinem Glas in Richtung Försterchristel.
Dort goss er seinen Champagner in den
Ausschnitt der Sünderin, was wieder mit Beifall bedacht wurde. |
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